[Buchrezension] Walden

Buchrezension “ Walden: oder Leben in den Wäldern“ von Henry David ThoreauWalden

  • Verlag: Diogenes
  • Seiten: 342
  • Preis: 11,90€ (Taschenbuch)
  • ISBN: 978-3-257-20019-5
  • Genre: Literatur

 

Klappentext: Wie soll und will ich leben? – Thoreau sucht eine Antwort auf diese Frage und zieht sich für zwei Jahre in eine selbstgebaute Blockhütte auf dem Waldstück seines Freundes Ralph Waldo Emerson am Waldensee zurück. Walden oder Leben in den Wäldern ist das Buch dieses Experiments. Thoreau zeigt darin, dass der Weg zu sich selbst bei den einfachen Dingen und einer gelasseneren Gangart beginnt. Kunstvoller Essay und erzählende Prosa in einem, von einer sprachlichen Unmittelbarkeit wie das Tagebuch, aus dem es entstand, ist Walden eine höchst vergnügliche Lektüre und ein veritables Handbuch des Glücks.

Meine Meinung: Wer sich dazu entschließt „Walden“ von Henry David Thoreau zu lesen, sollte zweierlei mitbringen: Zeit und etwas Geduld. Walden ist kein Roman, den man verschlingen wird. Es ist auch kein Buch, das man an einem überfüllten Strand lesen sollte. Eher schon empfiehlt es sich in Walden bei einem genüsslichen Tee zu Hause einzutauchen. Vielleicht findet sich sogar ein ruhiges Plätzchen am Gemeindesee? Walden entfaltet seinen Zauber langsam. Oftmals verliert sich Thoreau in der Beschreibung des Waldensees oder des Waldes, den ihn umgibt, schildert seitenlang die Eindrücke, die sich ihm zeigen – um dann wieder eine treffende und erstaunlich moderne Bemerkung zur Zivilisation oder zum Menschen an sich zu machen.

Thoreaus Gedankengängen zu folgen ist lohnenswert, aber streckenweise auch mühsam. Wer keine Geduld für den schwelgerischen, romantisierenden Erzählstil Thoreaus aufbringen kann, sollte Walden besser bei Seite legen. Wer sich aber auf die facettenreiche Sprache Thoreaus einzulassen vermag, wird mit einer sehr lohnenswerten Lektüre belohnt. So ist Walden zwar oberflächlich betrachtet ein Aussteiger-Roman, jedoch keineswegs eine Robinsonade. Thoreau ist auch in seinem Häuschen am Waldensee nicht einsam, sondern bewegt sich stets in der Peripherie des Pulses seiner Zeit. Die scharfsinnigen Beobachtungen, die Thoreau macht, sind moderner denn je, auch wenn Walden vor über 150 Jahren geschrieben wurde.

Hesse hat zu Walden folgendes bemerkt: „Die amerikanische Literatur, so kühn und großartig sie ist, hat kein schöneres und tieferes Buch aufzuweisen als Walden.“ Auch wenn mir weniger schwelgerische amerikanische Literatur – sei es Faulkner, Steinbeck, Hemingway oder Roth – näher liegt, gehört Thoreau zweifellos zu den einzigartigsten Büchern, die das literarische Amerika hervorgebracht hat.

Meine Wertung: Verträumtes, romantisches Buch mit messerscharfen Beobachtungen. Zum Teil allerdings etwas anstrengend zu lesen.

4-Sternewertung

Über Tim-Oliver Sick

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