[Buchrezension] Der Mord an Harriet Krohn

Buchrezension„Der Mord an Harriet Krohn“ von Karin Fossum

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  • Verlag: Piper
  • Seiten: 272 Seiten (gebundene Ausgabe)

  • Preis: je nach Anbieter

  • ISBN-13: 978-3492048033

  • Genre: Kriminalroman

Klappentext: „In jedem von uns steckt ein Mörder… Charles Olav Torp konnte es selbst nicht begreifen: Harriet Krohn lag vor ihm auf dem Boden ihrer Wohnung, tot. Im Grunde war es ihre eigene Schuld, sie hätte nur stillhalten müssen. Jetzt musste Torp wieder zu sich kommen, denn wenn das hier alles gutgehen sollte, durfte er keine Fehler mehr machen …Karin Fossum, eine der erfolgreichsten skandinavischen Krimiautorinnen, präsentiert Kommissar Sejers neusten Fall – eine abgründige, tragische Geschichte von Schuld und Sühne und das Porträt eines beunruhigend alltäglichen Mörders.“

Meine Meinung:

Es beginnt mit dem Kauf eines Blumenstraußes. Ein paar weiße Lilien, blaue Anemonen, Wicken und Rosen. Alles in schönen Pastelltönen gehalten. Ein fröhlicher Strauß – ein Präsent für eine alte, einsame Dame. Ein schöner Gedanke … Doch Charles Olav Torp hat nichts Schönes im Sinne. Der Blumenstrauß ist lediglich ein Vorwand. Um in die Wohnung der Dame zu gelangen. Denn Charles hat Probleme, große Probleme. Und er braucht Geld. Viel Geld. Eigentlich will er Harriet nur ausrauben. Etwas Silberbesteck, alten Schmuck, ein paar Geldscheine. Sie ist alt, was soll sie noch mit all ihren Sachen anfangen?

Durch eine geschickte List – die Blumen wirken wahre Wunder – verschafft er sich Zutritt zu ihrer Wohnung. Mit einem Revolver – dieser soll nur Eindruck schinden, seiner Forderung Nachdruck verleihen – will er Harriet zur Kooperation zwingen. Er will ich nicht wehtun. Doch Harriet Krohn entpuppt sich nicht als hilfloses, ängstliches Opfer. Sie beginnt zu schreien. Sehr laut. Zu laut. Und dann entgleitet Charles Olav Torp die Situation. Er schlägt zu. Schlägt Harriet nieder. Wieder und wieder schlägt er auf die alte Dame ein, auch als sie schon am Boden liegt. Erst als ihm ein gewaltiger Blutstrahl entgegenkommt weicht er entsetzt zurück. Wird sich bewusst, was er soeben getan hat. Doch von Reue keine Spur. Er nimmt mit, was er in die Hände bekommt. Und redet sich von nun an ein, alles werde gut.

Damit beginnt das Buch. Von Anfang an weiß der Leser, wer der Mörder ist, was ihn zu seiner Tat getrieben hat. Der Leser wird im Verlauf der Geschichte Zeuge, wie sich ein Mensch verzweifelt bemüht, seine Tat als etwas Notwendiges, ja sogar Positives darzustellen. Wie er versucht, wieder in den Alltag zu finden. Wie er bemüht ist, aus der Tat einen Nutzen zu ziehen und all seine Probleme zu regeln. Und wie er doch immer wieder von Schuldgefühlen heimgesucht wird, von der Angst, die Polizei stünde bald vor seiner Tür.

Der Ansatz des Buches ist spannend. Kann es einen notwendigen Mord geben? Können einen die Umstände dazu zwingen, ein anderes Leben gewaltsam zu beenden? Charles Olav Torp ist nicht schlecht, er ist nur schwach. Vieles ist in seinem Leben schief gelaufen, er sieht keinen Ausweg mehr. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als zu tun, was zu tun ist. Dass er dabei die Nerven verliert, war nicht geplant, aber kann man es ihm übel nehmen? Mit diesen Fragen wird man im Roman konfrontiert. Man schwankt als Leser zwischen Mitleid und Ekel für einen Mann, dessen Leben im Grunde schon lange vorbei ist.

Nicht die Tat steht im Mittelpunkt, sondern der Täter. Der Mensch dahinter. Der Leser wird mit Charles Olav Torp alleine gelassen. Sehr lange. Erst im letzten Drittel des Buches kommt die Polizei mit ins Spiel. Klar, er ist kein abgebrühter Mörder. Er hat Spuren hinterlassen. Die unweigerlich zu ihm führen. Wie viel Gutes er auch tun mag, er wird für seine Tat büßen müssen. Doch bis es soweit ist, ist es ein langer, sehr langer Weg. Ein Weg, den wir nur mit dem Protagonisten gehen. Wir sind seinen Gedanken, Ängsten, Zweifeln und Taten fast hilflos ausgeliefert.

Meine Wertung: 3 von 5 Sternen

In erster Linie ist das Werk von Karin Fossum die psychologische Studie eines Mörders. Erst in zweiter Linie handelt es sich hier um einen Kriminalroman. Die eigentliche Geschichte ließe sich locker auf zwanzig, dreißig Seiten abhandeln. Für diesen Roman braucht man einen langen Atem. Und auf die langsame, mehr als detaillierte Erzählweise muss man sich einlassen. Wer Spannung sucht, ist hier Fehl am Platz, denn von Anfang an ist klar, wie es enden wird. Wer allerdings in die Psyche eines Alltagsmörders eintauchen will, wird an Charles Olav Torp seine wahre Freude haben.

 3-Sternewertung

 

Über Stefanie Schätzler

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